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 Bärenhöhle Ybrig Mai 2011

Bei prächtigem Wetter stand eine weitere spannende Höhlentour auf dem Programm, diesmal praktisch vor meiner Haustüre im Ybrig. Pünktlich wie gewohnt traf der harte Kern unseres bewährten Höhlenteams am Treffpunkt ein, kurzer Materialcheck und los geht`s. Doch vorher ein Aufschrei, was ist den jetzt los? Alle blicken mehr oder weniger entsetzt auf Mike, da steckt doch tatsächlich ein Fischerhacken ziemlich tief in Mikes Hand. Vielleicht sollte Mike einmal etwas mehr Ordnung halten und nicht überall alles herumliegen lassen. Während Mike versuchte den Hacken so schmerzlos wie möglich zu entfernen, bestaunte ich einmal mehr Retos Material, sollten wir tatsächlich eine Bohrmaschine, 2 Seile, und sonstiges Material gebrauchen? Reto verwies mich auf den Tourenbericht aus der Zeitschrift Höhlenpost, was habe ich dort bloss übersehen? Normalerweise betrete ich eine Höhle nur in Gummistiefeln, diesmal waren aber frisch geputzt und polierte Bergschuhe an meinen Füssen montiert, sollte dies heute die falsche Wahl sein, Reto meinte ja.

Jetzt aber los, trotz bestem Kartenmaterial und modernsten Navigationsgeräten folgen wir auf den ersten hundert Metern unserer lieben Romana, sie gibt unmissverständlich die Richtung an und führt uns zu einer Brücke wo wir den ersten Bach bequem überqueren konnten. Meine Intervention nutze nichts, Romana behielt die Oberhand und führte die Gruppe an. Die Brücke war ok, der Weg aber der Falsche. Das erkannte nun auch Romana und korrigierte sofort die eingeschlagene Richtung, diese führte nun, statt bequem auf dem Wanderweg, jetzt über zahlreiche Stacheldrähte und unter Hochspannung stehende Weidezäune. Ich würde zu gerne noch wissen, was der nette Ybriger Bauer für eine Spannung an diesen Draht angelegt hat, dass der Strom auf den Stacheldraht überspringt den ich mit der Hand beim überqueren etwas herunterdrücke und mich sodann mit einem kräftigen Stromstoss durchschüttelt. Nun müsste ich eigentlich genügend Energie für die 400 bevorstehenden Höhenmeter geladen haben.

Nun übernahm ich vorsorglich die Führung und liess mich auch später von Reto nicht mehr von meiner Route abbringen. So verlief der Aufstieg ohne weitere Probleme und wir erreichen die mächtige Felswand und auch schon eine erste Schlüsselstelle unserer Tour. Zuerst geht es ein paar Meter ein Tobel herunter, hier rutscht einem buchstäblich der Boden unter den Füssen weg, ehe eine senkrechte Felswand traversiert werden muss. Diese ist jedoch gut mit einem Seil und Hilfstritten gesichert. Mike geht voraus, ich überwinde die Schlüsselstelle als Zweiter, gefolgt von.............. ? Niemand, wir stehen vor der Höhle, aber keiner kam nach, warum? Wir gehen ein Stück zurück und nehmen einen Augenschein, jetzt ist alles klar, da ja Reto die Bohrmaschine nicht umsonst hochtragen wollte, möchte er einen Hacken setzten, um mit Hilfe seines Seils das Tobel zu bewältigen. Nur, er hat zwar die Maschine, Mike aber den Akku und Mike ist jenseits vom Tobel. Was jetzt? Während Mike den Akku zu Reto bringt, esse ich gemütlich vor der Höhle zu Mittag, ziehe mich um und warte bis die Löcher gebohrt sind.

Endlich geht es los, Helm auf Licht an, Marco, Mike und Romana zwängen sich in den engen Eingangsspalt, Reto und ich bleiben vorerst abwartend noch vor der Höhle. Aus dem Spalt, der sich wie eine Schlange mit vielen Kurven windet, dringen erbärmliche Geräusche, die einen stöhnen, andere lachen. Wir sehen nichts mehr von der dreiköpfigen Vorhut, aber den Geräuschen nach zu urteilen haben sie grösste Mühe sich vorwärts zu bewegen. Reto und ich überlegen ernsthaft, ob wir uns das auch antun wollen. Laut Höhlenplan befindet sich etwas weiter oben ein weiterer Eingang, aber in der Felswand und exponiert, sowie nur mit Seil erreichbar. Wir entschliessen, uns das anzusehen und finden Eingang 2 auf Anhieb. Ohne lange zu fackeln nehmen wir die Kletterei in Angriff und erreiche den etwas ausgesetzten Eingang auch ohne Seil. Schon hören wir das krächzen und stöhnen unserer Kollegen, ein deutliches raunen dringt aus dem Spalt als Marco uns oberhalb von ihnen bemerkte. Ein bisschen froh waren sie aber dennoch, immerhin wussten sie jetzt, dass sie sich diesen Spalt auf dem Retourweg nicht mehr über sicher ergehen lassen müssen. Mitleid hatten wir aber nicht mit ihnen, wer hat sich den so vorgedrängt und wollte der Erste sein!

Wieder vereint krochen wir weiter durch den nun etwas grösser werdenden Gang, nach einigen Metern sogar zeitweise aufrecht gehend. Lange hielt die Freude aber nicht an, bald standen wir vor einer tiefen Schlucht, dem sogenannten Wasserspalt. Auf gut zehn Metern länge muss dieser Spalt spreizend überklettert werden. Ein Sturz in den Spalt hätte verheerende Folgen, meine Wenigkeit, Mike und Romana fühlten uns sicher diese Passage frei und ohne Sicherung zu überwinden, Reto und Marco verzichteten und schlugen vor, dass wir alleine weitergehen sollen. Schade, denn einige Meter weiter in der nun gut begehbaren Höhle, stiessen wir auf wunderschöne Sinterbildungen, Stalagmiten und Stalaktiten. Traumhafte Naturwunder welche wir im Schein unserer Lampen bewundern durften. Weiter geht es ins Bergesinnere, bis wir auf eine Felsstufe stossen, zuerst versucht sie Mike zu bezwingen, danach Romana und zu guter letzt auch ich noch, ohne Erfolg. Mike versucht danach die Stufe mit einer Traverse zu umklettern, das klappte problemlos sodass wir ihm folgen und hier leider auch schon den Endpunkt der Höhle erreichen.

Nun geht es zurück, etwa in der Hälfte der Höhle zweigt noch ein schmaler Gang ab bei welchem etwas Tageslicht in die Höhle eindringt, wir kriechen noch zu diesem "Fenster", welches mitten in der senkrechten Felswand liegt, uns eröffnet sich ein toller Blick auf den Roggenstock.

Plötzlich dringen seltsame Geräusche aus dem Hauptgang, je näher wir uns der Wasserspalte nähern, desto deutlicher zu sind sie zu hören. Ob da doch noch ein Bär in dieser Höhle wohnt? Entwarnung, Reto und Marco haben sich in der Zwischenzeit mit Seilen und Klettergurt ausgerüstet und sind gerade daran die gefährliche Wasserspalte gesichert zu überklettern. Sie wollten sich offensichtlich den hinteren Teil der Höhle doch nicht entgehen lassen. Mike hilft nun noch tatkräftig mit und befestigt das Seil jenseits der Spalte. Für uns heisst das rechtsumkehrt, wir begleiten die beiden bis zum Höhlenende. Den Spass, Reto die Felsstufe am Ende erklimmen zu lassen, können wir uns dann aber nicht verkneifen. Von der einfacheren Traverse verraten wir natürlich nichts und vom Gangende.......... schon gar nicht, smilie! Was wir nicht geschafft haben, meistert aber Reto ohne grosse Probleme und verdankt es uns mit einem Lächeln.

Jetzt treten wir aber definitiv den Rückweg an, die Wasserspalte war jetzt gut gesichert, Marco und Reto haben hier ganze Arbeit geleistet. Wenn die Klettergurten von Mike, Romana und mir nicht vor der Höhle um Rucksack wären, könnten wir uns nun sogar sichern. Doch auch ohne Sicherung liessen wir uns von den Tiefen des Abgrunds nicht mehr beeindrucken, was die Nerven von Reto sichtlich etwas strapazierte. Den Abstieg vom Eingang 2 bewältigen wir dann auch noch sicher, ja hier nehme ich dann Retos Seil doch noch gerne zu Hilfe.

Jetzt erfuhren wir von Marco noch, dass er sein Handy möglicherweise in der Höhle verloren hat, warum er dieses überhaupt in die Unterwelt mitnahm bleibt wohl sein Geheimnis. Also anrufen und hoffen, dass es irgendwo klingelt und tatsächlich klingelte es in Marcos Hosenbein, nur der Klettergurt verhinderte den definitiven Verlust des Handys.

Beim Abstieg stehen wir nun etwas unentschlossen   unter der mächtigen, über 100 Meter hohen Felswand und beraten welches wohl der sicherste Weg zum absteigen ist. Unsere Blicke schweifen dabei von der Geröllhalde auf einen uns nähernden Gleitschirm. Plötzlich ein Schrei der einem durch Mark und Bein ging, es war die Stimme von Reto, die Tonlage mit der er Achtung schrie verhiess nichts gutes, aber was? Jetzt hörte man ein Poltern in der Felswand und im rechten Augenwinkel waren Steine zu erkennen, grosse Steine welche mit hoher Geschwindigkeit zu Tal stürzten. Praktisch synchron mit Retos Warnung versuchten wir aus dem Gefahrenbereich zu flüchten, ehe die Steine etwa dort aufschlugen wo Romana und ich vorher einige Minuten warteten. Ob Marco eine Vorahnung hatte, er war als einziger noch mit Helm unterwegs. Doch ich kann den Leser an dieser Stelle beruhigen, ein Helm hätte in diesem Fall wohl kaum mehr etwas genutzt. Nun waren wir uns aber wenigstens über die Abstiegsroute sehr schnell einig, schnell und ohne Kompromisse raus aus der Gefahrenzone lautete die Devise.

Allmählich näherten wir uns dem Ausgangspunkt unserer Tour, ohne Umwege über Stacheldrähte und elektrische Weidzäune. Nur einen Umweg nahmen wir noch in Kauf, jener über Oberiberg zum Gasthaus Hirschen, hier gönnten wir uns ein wohlverdientes, feines Nachtessen.

Ein super Tag mit einem tollen Team neigte sich nun dem Ende zu, ein Dank an das gesamte Team für diesen erlebnisreichen Tag.

 Werner Bindschedler 02.06.2011

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