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Höhlentrip am Pragelpass

Mit dem Ziel das Sukiloch am Pragelpass zu suchen, starten wir unsere Expedition im Gebiet "Unter Roggenloch". Genaue Angaben zur Lage der Höhle besitzen wir jedoch leider nicht und unser Höhlenteam ist stark reduziert, zudem erschwert uns der Nebel die Orientierung erheblich. Daten aus einem Satellitenbild konnte ich vorgängig auf eine 25000er Karte Übertragen und so das Gebiet stark eingrenzen. Rasch wandern wir zu unserem Ausgangspunkt, mit Funk ausgerüstet trennen wir uns und suchen das Gebiet ab. Schon bald stosse ich auf einen vielversprechenden Spalt, gleichzeitig meldet sich Mike per Funk einen Eingang gefunden zu haben. Die Position des Spaltes markiere ich im GPS, wir beschliessen Mikes Entdeckung genauer anzusehen. Hier erwartet uns ein sehr enger Eingang, dieser ist jedoch mit einer Bezeichnung markiert, was eindeutig auf einen Eingang hinweist. Helme und Material haben wir noch im Rucksackdepot, trotzdem riskiert Mike einen kleinen Augenschein. Der Gang führt weiter ins Bergesinnere, ist aber sehr eng und so weit wir es einsehen können, nur robbend zu bewältigen. Daher beschliessen wir "meinen" Spalt näher zu untersuchen, nun aber mit dem gesamten Material. Erik steigt schon einmal kurz ab um zu rekognoszieren, schnell stellt sich heraus, dass es sich hier um ein grösseres Objekt handelt. Nach einer kurzen Zwischenverpflegung steigen wir voll ausgerüstet in die Dunkelheit ab. Nach einer kurzen Abseilstelle geht es relativ eng, aber meist gut begehbar, ständig abwärts immer tiefer in den Berg. Schöne Gangformen und einige kleine Tropfsteine sind zu bewundern. Wir stossen immer weiter in die Tiefe vor. Zeitweise zwängen wir uns durch enge Spalten, Kletterstellen und "Rutschbahnen" sind zu bewältigen, bis wir schliesslich an eine Engstelle stossen. Jetzt machen wir erst einmal Pause, es scheint das Höhlenende zu sein (muss sich Erik ausgerechnet auf die Markierung "ENDE" setzen?), nur Mike will das nicht wahrhaben und murkst sich im wahrsten Sinne des Wortes durch die Engstelle. Tatsächlich wird es danach wieder wieder etwas grösser und der Gang führt weiter. Wir erlauben Mike soweit vorzudringen wie wir mit ihm durch zurufen kommunizieren können. Es scheint, dass es wirklich noch weiter geht, aber sehr eng und nur mühsam, wie weit konnte Mike nicht feststellen. Wesentlich grösser wurde der Gang jedoch nicht, führte aber noch weiter. Wie eng der Durchschlupf ist, zeigt die Tatsache, dass Mike auf dem Rückweg zuerst die Engstelle noch etwas ausgegraben hatte, sich dann darin trotzdem für einige Zeit verkeilte und etwas unruhig wurde. Die Zeit, welche Mike den Gang erkundete, nutzte Erik um Mike eine kleine Überraschung zu bereiten und baute kurzerhand eine "Mauer", Mike war sichtlich erfreut über dieses Hindernis. Da wir sicher nicht schlanker wie Mike sind, beschliessen wir einstimmig darauf zu verzichten, hier weiterzugehen und treten den Rückweg an. Jetzt erweist sich die "Rutschbahn" aber als echtes Problem, zwar hängt hier ein Fixseil, dies ist aber an der oberen Verankerung gerissen und nutzt herzlich wenig. Mit vereinten Kräften bewältigen wir die Schlüsselstelle aber mit Bravour, ohne Materialverlust geht das aber nicht vonstatten! Die Traggurten vom Höhlensack reissen, dies erleichtert den Rückweg auch nicht unbedingt. Den Ausgang erreichen wir mit einigen Mühen trotzdem problemlos, hier hat es noch einen wunderschönen Gang, welcher zu einem weiteren engen Ausgang führt.

Auf der nahe gelegenen Alp erkundige ich mich, ob es sich hier um das Sukiloch handelt, zuerst starrte mich der junge Mann an als käme ich von einem anderen Sonnensystem! Ich hätte wohl zuerst Helm und Gummihandschuhe ausziehen sollen! Nachdem er doch noch erkannte, dass ich ein menschliches Wesen bin und sogar seine Sprache spreche, erklärte er mir, immer noch völlig verdutzt, dass er nicht wisse was das für eine Höhle ist. Ein älterer Mann stiess hinzu und beschrieb uns den Weg zu einer weiteren Höhle, dem bekannten "Schwyzerschacht", er redete von einer grossen Röhre. Dies verstanden wir im Moment noch nicht, Röhre??? Es war ja ein "Muotathaler", daher schenkten wir der "Röhre" keine Beachtung!

Da wir immer noch nicht genug hatten, peilten wir nun den Schwyzerschacht an. Dabei führte der Weg an einer riesigen Doline vorbei, in deren ein grosser Steinblock lag, optisch sah dies wie eine Höhle aus. Erik meinte wir müssten uns das näher ansehen, vergeblich versuchte ich ihm das auszureden, hey hier liegt nur ein Felsblock und darunter ist ein kleiner Hohlraum, mehr nicht. Ich wurde jedoch überstimmt und so stiegen wir in die nächste Höhle ein....... ja ja, es war tatsächlich eine weitere Höhle. Wieder wird es eng, sehr eng aber dahinter ist eine beachtliche Halle. Ein weiterer Gang führt dann wieder weiter, eng, nass und sehr beschwerlich horizontal weiter. Wir brechen hier aber ab, wollen wir doch noch den Schwyzerschacht suchen so steigen wir wider aus der Höhle.

Wo ist nun dieser Schacht, wir irren im Neben umher und inspizieren jeden Spalt, jedes Loch, einen Schacht in Form einer Röhre finden wir nicht. Lediglich ein grosses Rohr aus Wellblech welches etwa einen Meter aus dem Boden ragt können wir erkennen. Ja klar...... das ist die gesuchte  "RÖHRE", der Einstieg in den Schwyzerschacht! Die Röhre schützt den Eingang, welcher sich in einer Doline befindet vor Versturz und macht die Höhle auch im Winter begehbar (wird wohl eher im Winter besucht). Wir haben noch gut eine Stunde Zeit und vereinbaren mit der Zentrale in Zürich (danke Marco), dass wir noch mal für höchstens eine Stunde in die ewige Dunkelheit absteigen. Gesagt getan, gut 10 Meter führt uns über eine Leiter die Röhre hinab, danach führt ein Gang abwärts zu einer weiteren Leiter, diese führt über eine Felswand von noch mal gut 10 Metern Höhe, jetzt befinden wir uns in einer grossen Halle wo wir auf eine Gedenktafel stossen. Hier verlor in den 70er Jahren ein Höhlenforscher sein Leben, wie wir später erfahren durch Hochwasser. Etwas irritiert folgen wir dem recht grossen Gang weiter in die Höhle. Wunderschöne Tropfsteine und Sinterbildungen erhalten unsere volle Bewunderung, ehe wir an einen Punkt gelangen wo wir kapitulieren müssen. Nein, wir kapitulieren nicht gerne, aber hier ist nun definitiv Endelustig!!! Wir stehen, wohl verstanden mit einigem Sicherheitsabstand, vor einem riesigen Abgrund, wir wagen einmal die Schätzung von über 50 Metern Tiefe. Zwar hängt eine Strickleiter in den Abgrund, sie führt aber irgendwie ins Bodenlose. Einen kleinen Stein, den wir herunterwerfen, ist gut 4 Sekunden im freien Fall!!! Das reicht uns, wir sind uns für einmal einig, Abbruch und Ausstieg aus dem imposanten Schwyzerschacht.

Welche Höhle wir letztendlich besuchten wissen wir leider nicht, die Beschreibung vom Sukiloch trifft irgendwie nicht so ganz für unsere Höhle zu, die Lage jedoch schon, möglicherweise handelte es sich aber auch um einen Ast vom Silbernensystem........ es bleibt ein Rätsel welches wir aber noch lösen möchten. Einzig der Schwyzerschacht gilt als sicher bestimmt!

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Red. Werner Bindschedler / Oktober 2010