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Schwalbenkopfhöhle

Voller Erwartungen machten wir uns früh Morgens auf den Weg, um anhand einer alten Beschreibung, die Schwalbenkopfhöhle zu suchen. Leider erwies sich dieses Vorhaben schon bald als ziemlich schwierig. War doch das Gelände unwirtlich, sehr steil und mit zahlreichen Felsbändern durchzogen. Die schlechten Sichtverhältnisse, der Nebel und die Nässe erschwerten den ohnehin schon mühsamen Aufstieg noch zusätzlich. Dass auch die Angaben zur Lage der Höhle teilweise sehr ungenau waren, mussten wir später auch schmerzlich zur Kenntnis nehmen. Wir verliessen uns also vollkommen auf die von uns mitgebrachten Höhenangaben und konzentrierten unsere Suche auf diese Daten. Nach zwei Stunden Aufstieg und weiteren zwei Stunden erfolgloser Suche, entschlossen wir uns zum Abstieg. Wir gönnten uns jedoch noch vor dem Abstieg eine ausgiebige Pause.

Weil wir die Hoffnung trotzdem noch nicht ganz aufgegeben hatten, entschlossen wir uns für den Abstieg eine andere Route zu wählen. Vorsichtig stiegen wir den Steilhang hinunter, wobei wir nach etwa hundert Metern ein kleines Felsband umgehen mussten. Und siehe da, - genau unter jenem Fels lag der riesige, jedoch erst in der Nähe sichtbare Höhleneingang. Leider war es bereits 14 Uhr und damit für eine vollumfängliche Erkundung der Höhle zu spät. Wir beschlossen gemeinsam mit einem 50 Meter- und einem 20 Meterseil trotzdem noch in die Höhle einzusteigen.

Der riesige und steil ins Berginnere abfallende Gang war mit Geröll und teilweise sogar noch mit Schnee bedeckt. Die Luft war eisig kalt, und somit kälter als die anderen Höhlen die wir kannten. Nach etwa vierzig Meter Geröllhalde kletterten wir einen kleinen Absatz hinunter und standen vor der ersten Abseilstelle. Wir befestigten unser fünfzig Meter langes Seil an den vorhandenen Bohrhacken. Stefan wagte als erster den Abstieg in den teilweise senkrechten Schacht. Nach einiger Zeit bekam ich das OK von Stefan, ebenfalls in den Schacht einzusteigen. Vorsichtig seilte ich mich Meter für Meter die stellenweise sehr rutschigen, wasserüberspülten Wände ab. Sogar einige kleine Eisfelder waren an den weniger steilen Stellen im Schacht zu bewältigen. Auf einem kleinen Felsvorsprung blieb ich für einen kleinen Moment stehen, Stefan war noch nicht zu sehen. Plötzlich hörte ich ein bedrohliches Grollen im oberen Bereich der Höhle. Ich schrie Stefan: " Achtung Stefan", in den dunklen Schacht hinunter. Gleichzeitig presste ich mich so fest es ging an die Felswand, welche durch einen leichten Überhang Schutz bot. Bange Sekunden vergingen, ehe einige Steine mit lautem Getöse an mir vorbei, in den dunklen Schacht donnerten. Glücklicherweise konnte sich auch Stefan rechtzeitig in Sicherheit bringen. Mit einem nun etwas mulmigen Gefühl setzte ich nach diesem Schrecken meinen Abstieg fort. Nach etwa 45 Metern stiess ich auf einem Felsvorsprung zum wartenden Kollegen. Unter uns lag noch eine überhängende Wand, laut Beschrieb müsste diese gegen zwanzig Meter tief sein. Infolge der sehr hohen Luftfeuchtigkeit konnten wir aber den Boden der Halle nicht genau erkennen. Offensichtlich aber war die Halle mit Schnee und Eis bedeckt. Einen weiteren Abstieg riskierten wir jedoch nicht mehr, da unklar war ob unser Seil dazu auch wirklich von der Länge her reichen würde. Darum beschlossen wir uns für den Aufstieg. Wir bereiteten uns mittels Steigklemmen auf den Aufstieg vor. Der Aufstieg war sehr mühsam und kräfteraubend, bereitete uns aber keine weiteren Schwierigkeiten mehr. Dass wir diese Höhle ein weiteres Mal besuchen und erkunden wollen ist selbstredend, kennen wir ja nun die genaue Lage und den zu erwartenden Schwierigkeitsgrad.

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Red. WBi September 1999